10. 08. 2016 Redaktionskollektiv

«Pass dich an oder geh» - Integration als Druckmittel oder worüber wir eigentlich sprechen müssen

Der Begriff Integration hat Hochkonjunktur, wenn es darum geht, das Zusammenleben von Hiergeborenen und Dazugekommenen zu gestalten: Migrant*innen und Geflüchtete haben sich in die Schweizer Gesellschaft zu integrieren. Gemeint ist im Normalfall die Anpassung an eine sogenannte «Schweizer Kultur», die – wenn überhaupt –, dann nur von einer lauten Minderheit definiert wird. In einer Gesprächsrunde haben sich acht Aktivist*innen der ASZ mit dem Thema Integration auseinandergesetzt. Der Begriff wurde kontrovers diskutiert – allzu oft ist Integration mit Druck und Diskriminierung verbunden. Damit ein Zusammenleben auf Augenhöhe möglich ist, muss sich die Schweiz verändern, und zwar in Richtung einer Gesellschaft, an der alle gleichberechtigt teilhaben können. Ob für diesen Prozess Integration noch der passende Begriff ist, ist fraglich.

Am Gespräch teilgenommen haben:  Abed, Antoinette, Bah (hauptsächlich  als Übersetzer), Katharina, Martina, Sharon, Xin und Younes. Aufgezeichnet von Katharina, Martina und Sharon.

Bild: 2016-09/integrationskeulek.jpg

Karikatur: Sharon

Sharon: Beginnen wir mit einer grossen Frage. Was heisst für euch Integration?

Younes: Integration bedeutet für mich, dass man etwas verlieren muss. Wenn in der Schweiz von «Integration» die Rede ist, vermittelt mir der Begriff das Gefühl, nicht ganz korrekt zu sein, nicht gut genug, um hier zu leben. Die Behörden sagen, man muss integriert sein. Dieses Wort ist seltsam. Für mich bedeutet Integration eigentlich, mit allen Menschen zusammenleben zu können. Ich frage: Warum integrieren sich die Schweizer nicht mit uns? Warum müssen nur wir uns integrieren? Bedeutet das, dass wir ihnen unterlegen sind? Denken die Schweizer*innen, dass sie über uns stehen? Als Algerien von Frankreich kolonisiert wurde, verlangte Frankreich, dass wir uns integrieren. Haben die Europäer*innen Angst vor uns? Sie sehen sich als Modell, und der Rest der Welt soll sich an dieses Modell anpassen.

Xin: Dabei spricht der Begriff Integration doch beide Seiten an: die Schweizer*innen und die Menschen, die hierher kommen. Beide Seiten müssen den inneren Willen dazu haben, sich miteinander zu integrieren. Es reicht nicht, das nur von der anderen Seite zu verlangen. Ich selbst lebe nicht als Geflüchtete hier und kann deshalb beide Seiten sehr gut verstehen. Ich verstehe, wenn die Flüchtlinge sagen: Die Schweizer*innen verlangen zu viel von uns! Und auch, wenn diese dann sagen: Sie kommen her, passen sich aber nicht gut an! Zuallererst sollten sich beide Seiten respektieren. Das wäre das Wichtigste.

Xin: «Beide Seiten müssen den inneren Willen dazu haben, sich miteinander zu integrieren. Es reicht nicht, das nur von der anderen Seite zu verlangen.»

Sharon: Wie könnte das funktionieren? Wie könnten wir über diese Grundregeln verhandeln?

Xin: Wer immer hierher kommt, sollte die Sitten, Gewohnheiten und die Kultur von hier positiv beobachten und etwas darüber lernen wollen. Sobald es heisst: «Du musst lernen!», läuft etwas falsch. Auch die «schweizerische Seite» sollte positiv beobachten und lernen wollen, welche Sitten und Gewohnheiten ihre Gäste haben.

Abed: Ich bin ein freier Mensch und wähle das Beste aus verschiedenen Kulturen – das, was zu mir passt. Ich habe keine feste Kultur. Seit 17 Jahren bin ich weg von meiner Familie, von meiner Gesellschaft. Ich denke nicht, dass die Kultur meines Herkunftslandes in jeder Hinsicht gut ist, gerade für Frauen. Aber auch hier in der Schweiz will ich nicht akzeptieren, dass jemand 100 Prozent über mich entscheidet. Es ist nicht gut, zu allem Ja zu sagen und sich selber zu vergessen.

Xin: Es gibt gewisse Dinge, die man in der Schweiz von Anfang an beachten muss: Sauberkeit, Ordnung, solche Sachen. Wer herkommt, soll nicht überall Chaos anrichten. Aber die Leute von hier sollen auch die anderen Menschen akzeptieren und tolerant sein. Was die Ordnung betrifft, sollen alle nach mehr Zivilisation streben. Das ist das Ziel der menschlichen Geschichte. Dinge, wie sie in der Silvesternacht in Köln passiert sind, sind nicht gut. Stattdessen sollen sich alle auf das gemeinsame Ziel ausrichten: die gemeinsame Zukunft. Integration ist ein Vorgang, bei dem alle zusammen nach vorne gehen, in Richtung Frieden.

Younes: Du hast über gemeinsame Werte gesprochen. Aber müssten nicht die gleichen Rechte für alle gelten, damit man gemeinsam handeln kann? Ich sehe viel Ungleichheit. Ich komme etwas vom Thema Integration ab, aber ich sehe Leute kriminell werden, weil man sie schlecht behandelt hat – auch hier in der Schweiz. Man unterstützt sie nicht, sondern bestraft sie vielfach. Man zeigt ihnen keinen Weg. Ich denke nicht nur an Diebe, sondern auch an Leute, die Terroristen werden, wie wir das etwa in Frankreich sehen.

Younes: «Man kann aus einem Menschen einen Engel oder einen Teufel machen. Es ist die Gesellschaft, welche die Schlechten und die Guten produziert.»

Sharon: Kannst du das ausführen?

Younes: Die Gesellschaft provoziert diese Entwicklung, indem die Leute allein gelassen werden, keine Arbeit haben. Die meisten, die nach Europa kommen, sind in einem heiklen Alter. Es sind junge Menschen. Man kann sie formen. Man kann aus ihnen einen Engel oder einen Teufel machen. Immer, wenn jemand schlecht behandelt wird, entsteht das Gefühl von Ungerechtigkeit. Daraus wächst der Wunsch nach Rache. In der Schweiz werden etwa die Sans Papiers sehr schlecht behandelt. Ich habe unter Papierlosen schon Leute getroffen, die einen Doktortitel in Kunst haben. Es ist die Gesellschaft, welche die Schlechten und die Guten produziert. Es ist die Gesellschaft, welche Kriminelle erschafft.

Martina: Die Sans Papiers, von denen du sprichst, sind in der Schweiz in einer speziellen Situation. Ihr Aufenthalt wird von den Behörden nicht anerkannt. Der Integrationsartikel im Ausländergesetz bezieht sich nur auf «rechtmässig anwesende» Ausländer*innen. Hier liegt das Problem. Das Gesetz macht einen Unterschied zwischen den verschiedenen Menschen. Nicht allen wird überhaupt das Recht gegeben, hier zu sein.

Sharon: Denkt ihr, es macht bei der Forderung nach Integration einen Unterschied, aus welchem Land die Dazugekommenen stammen?

Xin: Ja. Aber es hängt auch von der Situation ab, in der man in der Schweiz lebt. Ist man Flüchtling oder hat man eine Aufenthaltsbewilligung und kann ganz normal hier leben? Das macht einen grossen Unterschied.

Katharina: «Der Abwehrreflex  angesichts des Fremden ist alt. Und es gibt ihn überall. Aber ich frage mich: Ist er heute nicht  extremer geworden?»

Younes: Ich denke nicht, dass es darauf ankommt, woher man kommt oder ob man muslimisch oder christlich ist. Der Hauptunterschied wird zwischen Europäer*innen und Menschen aus anderen Kontinenten gemacht. Manchmal gelten die Syrer*innen als Problem, manchmal die Leute aus Tunesien, manchmal jene aus Eritrea. Das wechselt, nur die Angst bleibt dieselbe.


Katharina: Es sind immer die «Neuen», die als Problem angesehen werden. Erst kamen sie aus Italien, aus Ungarn, aus Tibet, dann aus Ex-Jugoslawien. Früher kamen wenige Menschen aus Afrika in die Schweiz, jetzt sind es viele. Es gibt immer eine nächste Angst. Ich erlebe auch, dass Leute, die früher hierhergekommen sind, etwa aus Italien, mir nun sagen: Was, du arbeitest mit Türken? Die sind ganz schlimm! Da denke ich: Du hast doch die gleiche Erfahrung gemacht, und nun reagierst du so?

Xin: Die Leute aus Shanghai finden die Leute aus Peking auch unmöglich.

Bah: Ich habe einen alten Artikel aus dem 19. Jahrhundert gelesen. Die Zürcher schrieben: Mit den Aargauern muss man aufpassen. Sie kommen und nehmen sich unser Land und unsere Frauen.

Katharina: Der Abwehrreflex ist alt. Und es gibt ihn überall. Aber ich frage mich: Ist er heute nicht extremer geworden? Younes, du hast am Anfang gesagt, dass man etwas verlieren muss, um sich zu integrieren. Ihr sagt alle, Integration bedeute, miteinander zusammenleben. Eine Gesellschaft muss sich als Ganzes entwickeln. Das Wort Integration bedeutet ursprünglich: Es erneuert sich etwas, es verändert sich, etwas wird geistig aufgefrischt. Das wäre positiv. Aber heute scheint mit Integration eher Anpassung gemeint. Deshalb lehnen wir in der Autonomen Schule den Begriff ab und sprechen lieber von Partizipation.

Younes: Ich schlage statt Integration den Begriff «Koexistenz», Zusammenleben, vor. Das passt besser.

Antoinette: Zusammenleben ist gut. Aber noch wichtiger ist der Respekt. Es ist kein schönes Gefühl, sein Land zu verlassen. Wenn du aber neu ankommst, ist es an dir, dich mit dem neuen Land vertraut zu machen. Es geht um Respekt vor deiner Umgebung und vor den anderen Menschen. Wenn du rauchst und deine Zigarettenstummel auf den Boden wirfst, ist das hier respektlos. Die Schweizer*innen werfen die Zigaretten nicht auf den Boden. Sie spucken auch nicht auf den Boden. Sie lieben ihre Umgebung, ihre Gärten … Ich habe erlebt, dass die Leute hier am Anfang auf Abwehr sind. Vielleicht haben sie Angst. Aber die Schweizer*innen sind wie Blumen. Zuerst verschlossen, aber wenn man sie respektiert öffnen sie sich. Um eine Blume musst du dich kümmern! Eine Frau, die neben dem Asylheim wohnt, hat mich zu Beginn nicht gegrüsst. Ich habe sie trotzdem immer freundlich gegrüsst. Irgendwann grüsste sie zurück, später lud sie mich nach Hause ein, wir wurden Freundinnen. Natürlich, Rassismus gibt es immer. Aber man muss trotzdem Respekt haben.

Martina: Und was hilft dir dabei, dich «um die Blumen zu kümmern»?

Antoinette: Integration bedeutet für mich auch, die Sprache schnell zu lernen. Ich kann mir nicht vorstellen, 15 Jahre in der Schweiz zu leben und kein Deutsch zu sprechen. Man muss diesen Effort leisten. Auch die Gesetze sollte man kennen: Was darf ich tun, was nicht? Was muss ich wissen, wenn ich mit der Polizei zu tun habe? Was ist, wenn ich in eine Kontrolle komme? Soll ich anhalten, fliehen, etwas sagen? Hier Bescheid zu wissen ist wichtig. Es schützt uns, wenn wir die Gesetze kennen. Und Integration heisst auch, die Kultur der Schweiz ein bisschen zu kennen. Wenn du alles ignorierst, endest du damit, dass du Dinge tust, die niemand versteht. Einmal ging ich in einem Dorf spazieren, da traf ich ein Kind mit seinen Eltern. Ich war wohl die erste Schwarze, die es je gesehen hatte. Das Kind reagierte ängstlich. Das verletzte mich nicht, denn es war ja ein Kind. Ich fragte den Vater um Erlaubnis, und dann haben wir ein bisschen gesprochen. Ich sagte: Du kannst mich berühren. Das Kind berührte meine Haut. Es sah, dass nichts an ihm kleben blieb. Ich sagte: Meine Haut ist nicht schmutzig, sie ist einfach so. Es gibt schwarze und rote, gelbe und weisse Haut. Am Schluss hat mir das Kind sogar ein Küsschen auf die Wange gegeben. Integration erfordert auch Anstrengung von uns selbst. Es sind nicht nur die anderen, die uns akzeptieren müssen – wir müssen sie auch dazu bringen, uns zu akzeptieren.

Abed: «Das System der Schweiz wird sich nicht von selbst ändern. Dafür braucht es mutige Menschen.»

Younes: Leben wir im gleichen Land? Die Polizist*innen, die ich getroffen habe, sind ganz anders. Ich habe Polizisten gesehen, die Unschuldige bei einer simplen Kontrolle misshandelten. Ein Mann wurde im Niederdorf vor allen Leuten ausgezogen. Unter den Polizisten war auch eine Frau. Polizisten haben auch Leute geschlagen, ohne dass sie etwas getan hätten – das ist im Zentrum an der Juchstrasse passiert. Du sagst, Schweizer*innen seien Blumen. Ja, aber darunter sind auch Blumen, die stechen!

Antoinette: Ja, natürlich habe ich auch Negatives erlebt.

Younes: Ich bin nicht gegen die Schweizer*innen. Ich habe einige Freund*innen aus der Schweiz. Aber wir sprechen von der Politik, nicht von den Menschen.

Antoinette: Die Schweizer*innen sind sehr nett. Aber sie sind es auch, die die Gesetze machen.

Younes: Voilà. Ich spreche von der Regierung. Wenn sie zu viel Druck auf Menschen ausüben, wird es eine Explosion geben. Menschen in der Schweiz leben unter sehr viel Druck. Entweder werden sie zerdrückt, oder sie explodieren.

Antoinette: Das ist wahr. Um hier leben und länger bleiben zu können, muss man sehr stark sein. Wer keine Kraft hat, verliert seine Persönlichkeit. Die Schweizer Gesetze sind dazu gemacht, die Schweiz zu schützen, und nicht, um die Ausländer zu schützen.

Younes: Das finde ich eben falsch. In einer Gesellschaft haben auch Schwache das Recht zu leben.

Antoinette: Jeder hat dieses Recht.

Bah: Es ist wie das Leben im Dschungel, wenn nur die Starken überleben können und die Schwächeren keine Chance haben.

Sharon: Wie spürt ihr diesen Druck, diese Härte in eurem Alltag?

Antoinette: Als Asylsuchende hast du Angst vor deinem Briefkasten. Du weisst nie, was du darin findest. Diese Angst hat dich jahrelang in ihrem Griff. Wenn du nicht stark bist, kann dich das brechen. Manchmal rede ich beim Spazieren mit mir selbst. Aber ich bin nicht verrückt. Es ist meine Art, gegen die Angst zu kämpfen. Als ich einmal inhaftiert wurde, weil ich keine Papiere hatte, habe ich mich geweigert zu essen, zu trinken und zu schlafen. Ich sagte: Demütigt mich nicht! Was ist mit den Menschenrechten? Jeder hat das Recht, in ein anderes Land zu gehen.

Antoinette: «Als Asylsuchende hast du Angst vor deinem Briefkasten. Du weisst nie, was du  darin findest. Diese Angst hat dich  jahrelang in ihrem Griff, und wenn du nicht stark bist, kann dich das brechen.»

Abed: Ich finde das System extrem hart. Das System will nicht, dass wir uns integrieren. Und ich spüre eine Angst zwischen den Menschen. Warum ist die Gesellschaft in der Schweiz nicht offen für Menschen, die hierherkommen? Wo ist das grosse Strahlen der Mehrheit dieser Demokratie? Wir brauchen mutige Menschen in der Schweiz.

Sharon: Kehren wir noch einmal zum Begriff der Integration zurück. Sollen wir ihn vergessen? Oder aber ihn weiter verwenden?

Younes: Das hängt davon ab, wie die Schweizer*innen Integration verstehen. Es ist nicht das Wort, das Angst macht. Vielmehr ist die Bedeutung entscheidend. Ich möchte gern von euch Schweizerinnen wissen, wie ihr Integration versteht. Wir haben viel von uns gesprochen, aber wie seht ihr das?

Antoinette: Ja, was bedeutet Integration für euch?

Martina: Es geht um Zusammenleben. Integration soll ermöglichen, dass alle teilnehmen können. Für mich ist die Sprache dafür elementar. Damit man teilnehmen und gemeinsam diskutieren kann, welche Gesellschaft wir wollen, muss man sich verständigen können, durch Sprache eine gemeinsame Welt schaffen. Ein grosses Problem ist, dass in der Schweiz nicht alle die gleichen Rechte haben. Es besteht ein Widerspruch zwischen der tatsächlichen Ausländerpolitik und der ursprünglichen Idee von Integration.

Martina: «Ich will die Schweiz nicht aus der Verantwortung  entlassen, dass ein friedliches  Zusammenleben irgendwann in grösserem Kontext möglich ist. Die Schweiz muss sich verändern.»

Katharina: Vielleicht sollte man ein anderes Wort verwenden und von Zugehörigkeit sprechen. Dazugehören ist ein Gefühl. Jeder Mensch möchte dazugehören. Bereits Kinder schauen, wie sie sich verhalten müssen, damit sie dazugehören. Das ist ein Grundbedürfnis aller Menschen und hat nichts mit Ausländer*innen oder Nicht-Ausländer*innen zu tun. Wenn ich eure Beispiele höre, denke ich: Zu dieser negativen Schweiz, die Ausländer*innen diskriminiert, Menschen schlägt und auszieht, gehöre ich nicht. Zugleich schäme ich mich, weil ich trotzdem dazugehöre. Für mich ist dies eine Desintegration: Ich fühle mich fremd im eigenen Land – wenn ich SVP-Politiker*innen höre und wir abstimmen müssen, ob es verschiedene Rechte für verschiedene Menschen geben soll. Aber in der ASZ haben wir immerhin einen Ort geschaffen, wo wir uns an einen Tisch setzen und darüber diskutieren, was Integration eigentlich bedeutet. Es könnten mehr solche Orte in der Schweiz entstehen. Xins Vision, dass man gemeinsam nach vorne geht in Richtung Frieden, finde ich schön. Das sollten wir probieren, auch wenn es jetzt nur eine Fantasie ist.

Younes: Wir können statt von Integration auch von Familie sprechen.

Katharina: Genau, von Familie, oder von einer ASZ als extended family.

Sharon: Aber sind wir denn automatisch integriert, wenn wir Teil einer Familie sind? Vielleicht sind die Meinungen so verschieden, dass man sich nicht einer Familie zugehörig fühlt. In der ASZ kommen Menschen zusammen, welche die Einstellung schon teilen: Wir sind hier, und das ist gut so. Es spielt keine Rolle, welche Hautfarbe wir haben und woher wir kommen. Man schafft es, ein Zusammenleben zu organisieren, und ist glücklich damit. Das bedeutet für mich Integration. Aber die ASZ unterscheidet sich massiv davon, wie Politiker*innen über Integration sprechen und was Zeitungen darüber schreiben, sodass ich nicht glaube, dass wir diesen Begriff weiter verwenden sollen. Die Idee dahinter ist viel wichtiger als das Wort.

Martina: Wir haben von Familien und von der ASZ gesprochen. Aber ich will die Schweiz nicht aus der Verantwortung entlassen, dass diese Art des Zusammenlebens irgendwann auch in einem grösseren Kontext möglich ist. Die Schweiz muss sich verändern. Das ist es ja gerade: Wenn man Teilhabe ernst nimmt, verändern sich alle.

Abed: Ja, aber das wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Das System der Schweiz kann sich nicht in zehn Jahren ändern. Grosse Umbrüche sind hier unmöglich. Dafür braucht es mutige Politiker*innen und Journalist*innen. Für beide Seiten hoffe ich, dass die Menschen künftig weniger Angst haben.

Younes: Die Familie ist die Zelle, die kleinste Einheit, welche die Gesellschaft konstituiert.

Katharina: Ich finde die Familie einen guten Begriff, wenn man dabei nicht das kleine schweizerische Familienmodell vor Augen hat. Man muss einen Familiensinn für die ganze Welt entwickeln.

Younes: Genau, das meine ich.

Katharina: Die Familie wirst du nicht los, die hast du am Hals (alle lachen) – von Freunden, die mich enttäuschen, kann ich weggehen. Aber von meinem Bruder kann ich nicht weggehen. Die Menschheit als Familie zu verstehen, heisst: Sie klopfen an, kommen zu Unzeiten, sind mühsam, haben komische Ideen, ziehen sich anders an, was auch immer. Ich ärgere mich oft über diese Familie. Aber ich werde sie nicht los und ich habe ein Gefühl der Verantwortung ihr gegenüber.

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