07. 04. 2014 Mansur Cali

Somalia: Wiederaufbau mit Geierkapitalismus

Somalias aktueller Aufschwung ist nur scheinbar ein Segen. Denn fehlende Regulierung führt zur Verbreitung von land grabbing, Gentrifizierung und Sklaverei.

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Soziale Ungleichheit in der somalischen Hauptstadt Mogadishu (Screenshot: Al Jazeera)

Seit dem Sturz des langjährigen Diktators Siad Barré in 1991 ist Somalia zum gescheiterten Staat geworden. Viele Versuche, eine kohärente Regierung zu bilden, endeten in katastrophalen Fehlschlägen. Die Somalier blieben in der Hand von brutalen Warlords, welche die Bevölkerung terrorisierten und das Land unter sich aufspalteten, während sie gleichzeitig mit der internationalen Mafia kollaborierten, um das Land zu plündern. Die föderale Übergangsregierung, welche seit den frühen 2000er-Jahren eigentlich an der Macht hätte sein sollen, hatte wenig Durchsetzungsvermögen oder Unterstützung im Volk.

Mit der Ankunft der «Islamischen Gerichtsunion» 2006 kehrte auch eine Art von Normalität zurück, die aber nur von kurzer Dauer war, da Äthiopien in Somalia unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung einmarschierte. Es resultierte ein brutaler Konflikt, welcher die moderate religiöse Regierung aus dem Amt hob und durch eine Regierung ersetzte, die aus verschiedenen Konfliktparteien gebildet wurde. Zu diesem Zeitpunkt trat auch zum ersten Mal eine den Somalis bisher unbekannte Form des militanten Islamismus in Erscheinung: die Al-Shabaab, ein Teil der globalen Jihad-Bewegung, wurde geboren.

Somalia wurde zum rechtlosen Staat. Ausländische Fischereikutter dezimierten seine Fischbestände, und die illegale Entsorgung chemischer Abfälle wie auch Piraterie verbreiteten sich.

Heute besteht eine international anerkannte Bundesregierung in Mogadishu. Al-Shabaab stellt weiterhin eine Bedrohung dar, aber wurden mit der Hilfe von Kampfeinheiten der Afrikanischen Union (AMISOM) in den ländlichen Süden des Lands zurückgedrängt. Exil-Somalier kehren in grosser Zahl zurück, und dieses Mal besteht wirkliche Hoffnung.

land grabbing und Gentrifizierung

Es kann aber gut sein, dass dies nur dies nur ein scheinbarer Segen ist. Somalia kennt wenig oder keine Regulierung in allen Regierungsbereichen. Steuerbezug und Grundbesitz sind nur einige der Gebiete, in denen es an Regeln mangelt. Die Überweisungen der Diaspora sowie die internationale Hilfe kommen an, ohne dass ihre Verwendung irgendwie überprüft würde. land grabbing, Gentrifizierung und Sklaverei sind weit verbreitet.

In der Umgebung der «green zones» in Mogadishu sind Leben und Wohlstand zurückgekehrt. Hotels, Wohnhäuser und Villen schiessen aus den Trümmern. Aber ohne Aufsicht und Kontrolle ist dort wieder eine gesetzlose Zone. Wohnungen werden für bis zu 3000 US-Dollar vermietet. Die Besitzlosen, welche bereits die volle Härte des Konflikts gespürt haben, werden in heruntergekommene Plastikzelte am Stadtrand verdrängt. Die Korruption und der Filz, welche 1991 zum Fall des Barre-Regimes führten, sind wieder präsent. Der Unmut unter den grösstenteils ungebildeten und kriegsmüden IDPs (internen Vertriebenen) ist gross.

Es gibt Licht am Ende des Tunnels, aber seine Quelle mag Feuer sein. Die aktuelle Regierung muss dem Volk dienen und dabei geschickt die Fähigkeiten und das Vermögen der Exilierten einbeziehen, damit Somalia wieder auf eigenen Füssen stehen kann.

Gentrifizierung Somalia Land Grabbing Neoliberalismus Wirtschaft

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