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		<title>Papierlose Zeitung 4/2012</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 11:00:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<a href="http://www.papierlosezeitung.ch/2012/05/papierlose-zeitung-42012/"><img align="left" hspace="5" width="64" height="64" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/Screen-64x64.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe" alt="" title="Screen" /></a>Die Papierlose Zeitung 4/2012 ist erschienen, unter anderem mit folgenden Themen:
Unterdrückte Identitäten: So funktioniert «direkte Demokratie» in der Türkei
Als Sans-Papier auf dem Bau: Widerstand ist notwendig
Die Autonome Schule heute: Neuigkeiten aus der Schule und kritische Fragen
Die Papierlose Zeitung 4/2012 als pdf
Sämtliche Artikel finden sich auch auf den nächsten Seiten als Blog-Posts. Die gedruckte Zeitung kann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><a href="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/Screen.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1462" title="Screen" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/Screen-230x300.jpg" alt="" width="230" height="300" /></a></strong>Die Papierlose Zeitung 4/2012 ist erschienen, unter anderem mit folgenden Themen:</p>
<p><strong>Unterdrückte Identitäten:</strong> So funktioniert «direkte Demokratie» in der Türkei<strong></strong></p>
<p><strong>Als Sans-Papier auf dem Bau:</strong> Widerstand ist notwendig<strong></strong></p>
<p><strong>Die Autonome Schule heute:</strong> Neuigkeiten aus der Schule und kritische Fragen</p>
<p><a href="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/Papierlose-Zeitung-4-2012.pdf">Die Papierlose Zeitung 4/2012 als pdf</a></p>
<p>Sämtliche Artikel finden sich auch auf den nächsten Seiten als Blog-Posts. Die gedruckte Zeitung kann kostenlos <a href="/abonnieren/">abonniert</a> werden. Zur Deckung der Druckkosten sind wir dringend auf <a href="/spenden/">Spenden</a> angewiesen. Herzlichen Dank!</p>
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		<title>Wer ist hier eigentlich kriminell?</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 10:46:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<a href="http://www.papierlosezeitung.ch/2012/05/wer-ist-hier-eigentlich-kriminell/"><img align="left" hspace="5" width="64" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/1-u-2-Foto-Heiratsgeschichte-300x264.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe" alt="" title="1-u-2-Foto-Heiratsgeschichte" /></a>Heiratsverbot für Sans-Papiers: ein Bericht über eine Eheschliessung unter dem verschärften Asyl- und Ausländergesetz. Von Hassan Aras
Wie auf Nadeln sassen wir im Januar 2010 in einem trostlosen Büro des Zivilstandsamts Zürich und reichten unsere Dokumente ein, die nötig waren für das Ehevorbereitungsverfahren. Der Beamte machte eine hässliche Fratze, als wir ihm eröffneten, dass ich über [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heiratsverbot für Sans-Papiers: ein Bericht über eine Eheschliessung unter dem verschärften Asyl- und Ausländergesetz. </strong>Von Hassan Aras</p>
<p><a href="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/1-u-2-Foto-Heiratsgeschichte.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1457" title="1-u-2-Foto-Heiratsgeschichte" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/1-u-2-Foto-Heiratsgeschichte-300x264.jpg" alt="" width="300" height="264" /></a>Wie auf Nadeln sassen wir im Januar 2010 in einem trostlosen Büro des Zivilstandsamts Zürich und reichten unsere Dokumente ein, die nötig waren für das Ehevorbereitungsverfahren. Der Beamte machte eine hässliche Fratze, als wir ihm eröffneten, dass ich über keine Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz verfüge.</p>
<p>Wir waren schon vorgewarnt worden, dass das Zivilstandsamt Zürich Kuschelkurs eingeschlagen hatte mit der Hetzkampagne der SVP, der sich mittlerweile auch alle anderen bürgerlichen Parteien anschlossen. Der Beamte verletzte die Schweigepflicht, kontaktierte das Migrationsamt in Bern und schickte meine Identitätskarte in das Urkundenlabor der Kantonspolizei Zürich.<span id="more-1456"></span></p>
<p>Wir konnten diese Frechheit nicht verhindern. Der Beamte schnappte meine Dokumente vor meiner Nase vom Tisch weg und gab sie nicht mehr aus der Hand, auch als meine Frau versuchte, sie ihm zu entreissen und ihn daran zu erinnern, dass ein Beamter keine Befugnis hat, Dokumente zu beschlagnahmen.</p>
<p>Nach einem Monat verkündete das Urkundenlabor der Kantonspolizei Zürich, dass es sich bei meiner Identitätskarte um eine Totalfälschung handle. Unser Anwalt kannte dieses Spiel. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass sogar eine Bestätigung der Echtheit einer irakischen Identitätskarte, ausgestellt von der Irakischen Botschaft, als Totalfälschung deklariert wurde. Dies hat beinahe zum Konflikt geführt zwischen den beiden Nationen, weil die Schweiz damit dem irakischen Staat die Souveränität aberkannte.</p>
<p>Letzteres bereitete mir keine Sorgen. Wir waren voller Wut, weil wir wussten, dass das Vorgehen des Zivilstandsamtes eine reine Schikane war, um das Recht auf Heirat auszuhebeln. Wir fühlten uns auch zeitlich unter Druck. Die Initiative von Toni Brunner war im Parlament angenommen worden und sollte bald umgesetzt werden.</p>
<p>Durch das neue Gesetz sollte Menschen ohne Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz das Recht auf Heirat, das in der Bundesverfassung und in der Europäischen Menschenrechtskonvention festgelegt ist, ab Januar 2011 entzogen werden. Die Gesetzesänderung soll eine Scheinehe unterbinden. Damit unterstellt man jedem/ jeder Sans-Papier eine Scheinehe.</p>
<p>Wir beschlossen zu kämpfen und stellten Antrag für eine «gerichtliche Feststellung der Personalien», welche eine Identitätskarte ersetzt.</p>
<p>Zehn Tage später, nach einer Kindergeburtstagsfeier, als wir die Familie im Treppenhaus verabschiedeten, empfingen wir sogleich, ohne die Türe vorher schliessem zu können, die Bullen. Sie verhafteten mich wegen illegalen Aufenthalts in der Schweiz. Wir waren auf die Verhaftung vorbereitet, und die Freilassung konnte nach wenigen Tagen erzwungen werden, ohne dass ich in Ausschaffungshaft gewesen war.</p>
<p>Der Alltag war schwierig. Wir arbeiteten beide neben dem Heiratsstress, schliesslich mussten wir die hohen Kosten begleichen, die durch die Heirat entstanden waren. Wir versorgten zusammen ein Kind, welches von unserer unsicheren Lage nicht irritiert werden sollte. Das Gericht machte uns das Leben nicht leichter. Sie führten den Prozess der Personalienfeststellung unter einem Beweisverfahren durch, welches dafür eigentlich nicht üblich ist. Wir mussten also mit weiteren Dokumenten meine Personalien belegen. Mein Vater wurde in Kurdistan berühmt, weil er von einem Amt zum anderen tanzte um Papiere einzuholen, welche meine Personalien beweisen sollten.</p>
<p>Zu guter letzt gaben sich die Schweizer Jurist_innen nach über einem Jahr geschlagen, als mein Vater ein Fax direkt ins Bezirksgericht sandte. Er verfasste ein persönliches Schreiben, legte eine Kopie seines Reisepasses und ein Familienfoto bei. Wir wähnten uns im Glück, als wir die Feststellung der Personalien in den Händen hielten und sahen uns schon in den Alpen in Rehabilitation.</p>
<p>Dann der Anruf des Zivilstandsamts, die festgestellten Personalien seien keiner Person zuzuordnen, da kein Foto auf dem Dokument des Gerichts sei. Da wurde es selbst unserem Anwalt zu viel, und er kreuzte gleich persönlich auf dem Amt auf, um ordentlich Radau zu machen. Nach dieser Aktion hatte sich das Problem scheinbar in Luft aufgelöst: Wir haben am 10.11.2011 geheiratet im neu renovierten Stadthaus, unter dem «reizenden» Fensterbild von Marc Chagall und Alberto Giacometti.</p>
<p>Sechs Wochen später wäre dies unter dem neuen Gesetz nicht mehr möglich gewesen. Doch unsere Heirat lässt uns nicht aufatmen! Wir kämpfen weiter, für eine Gesellschaft, in der kein Mensch illegal ist, für ein System ohne Rassismus, Krieg und Ausbeutung im Dienst der herrschenden Klasse, die damit ihre Profitgier befriedigt!</p>
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		<title>Zwei Wartende</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 10:38:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Von Barack Opiumullah Flüchtlingstan
Alex wurde als drittes von sieben Kindern im Kongo geboren. Sein ältester Bruder wurde im Bürgerkrieg getötet und der zweitälteste starb in einer Goldmine. Alex entschied sich, seine Un-Heimat zu verlassen. Es war nicht sein Wunsch geboren zu sein, und seine Mutter, die er über alles liebt, hat ihm dazu geraten, eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Barack Opiumullah Flüchtlingstan</p>
<p><strong>Alex</strong> wurde als drittes von sieben Kindern im Kongo geboren. Sein ältester Bruder wurde im Bürgerkrieg getötet und der zweitälteste starb in einer Goldmine. Alex entschied sich, seine Un-Heimat zu verlassen. Es war nicht sein Wunsch geboren zu sein, und seine Mutter, die er über alles liebt, hat ihm dazu geraten, eine friedliche Heimat auf der Erde zu suchen. Sie hatte Schuldgefühle, weil sie ihn hier auf die Welt gebracht hatte. Er hat sich in Katanga nie zu Hause gefühlt, immer diese Schiessereien, Geschreie, Explosionen und Ängste.<span id="more-1453"></span></p>
<p>Nach achtzehn Monaten in der Wüste, auf dem Meer und in Gefangenschaft landet Alex in der Schweiz. Er sitzt in einer Notunterkunft und wartet, manchmal schaut er Fernsehen oder geht in die Autonome Schule. Nichts reizt ihn mehr, denn er wartet schon zu lang und seine Zukunft ist ungewiss.</p>
<p>Eines weiss er mittlerweile: Kongo ist ein rohstoffreiches Land. Reichtum, Korruption und Kriege sind unzertrennlich im Kongo&#8230; Warum? Weiss er noch nicht.</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Glencore</span></em></p>
<p><em>• Hauptsitz: Baar, Kanton Zug<br />
• Branche: Rohstoffe<br />
• Umsatz / Ebitda (2010): 145 Mrd.<br />
US-Dollar / 6,2 Mrd US-Dollar<br />
• Rechtsform: Aktiengesellschaft<br />
• Mitarbeitende (2010): 57‘656<br />
• CEO: Ivan Glasenberg</em><em></em></p>
<p><em>«Glencore baut in der Demokratischen Republik Kongo Rohstoffe ab. In der Bergbauregion Katanga werden immer wieder Menschenrechte missachtet. Die schwerwiegendsten Probleme betreffen Wasserverschmutzungen und die Arbeitsbedingungen in den Minen von Glencore- Tochterfirmen, die auch negative Auswirkungen auf die Gemeinden in der Umgebung der<br />
Minen haben sowie die prekären Verhältnisse beim handwerklichen Bergbau in den ‹Mines artisanales›.»</em><em></em></p>
<p><em>Quelle: rechtohnegrenzen.ch</em></p>
<p><strong>Najibullah</strong> wurde als letztes von vier Kindern geboren. Er genoss seine Kindheit unweit vom Bamiyan-Tal in Afghanistan. Die Taliban erschwerten das Leben seiner Familie, und seine Mutter durfte nicht mehr arbeiten. Trotzdem war er ein fröhlicher junger Mann, bis die USA einmarschierten. Najibullah wusste nichts von Bin Laden, al-Quaida oder New York. Er konnte nicht lesen oder schreiben. Fernseher und Strom hatten sie auch nicht.</p>
<p>Eines Tages wurde sein Dorf von Nato-Helikoptern und Kampfjets bombardiert, weil Aufständische einen Nato Konvoi angegriffen hatten. Es gab unzählige Tote, darunter alle seine Geschwistern und Mutter. Najibullah verliess fluchtartig sein Dorf Richtung Iran und kam über die Türkei und andere Umwege in die Schweiz.</p>
<p>Najibullah wohnt in einem Asylheim und wartet seit Jahren auf einen Entscheid. Für Najibullah sind «Kollateralschaden» und «Massaker» das Gleiche. Einiges weiss er mittlerweile: Es profitieren zahlreiche Firmen und Menschen vom Krieg. Kriege wird es geben, solange Menschenleben den Wirtschaftsinteressen einiger Weniger untergeordnet sind. Kriegsgründe kann man durch die Medien inszenieren, vertuschen und legitimieren lassen. Kriegsflüchtlinge als Kriminelle darzustellen und daraus politisches Kapital zu schlagen, vollendet die Skrupellosigkeit der gegenwärtigen Politik.</p>
<p><em>«Die Kosten [des Kriegs in Afghanistan] für die Vereinigten Staaten belaufen sich auf etwa 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Da die Vereinigten Staaten etwa 70 Prozent aller Truppen stellen, kann vermutet werden, dass bei ihr auch nur 70 Prozent der anfallenden Kosten auflaufen. Damit würde der OEF/ISAF-Einsatz pro Jahr etwa 143 Milliarden US-Dollar kosten.»</em></p>
<p><em>Quelle: de.wikipedia.org</em></p>
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		<title>Editorial zur vierten Ausgabe</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 10:32:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Papierlose Zeitung ist ein Projekt der Autonomen Schule Zürich und der Bleiberecht-Bewegung. Mit der Zeitung wollen wir eine Gegenöffentlichkeit für migrantische Themen schaffen und so einen Kontrapunkt zur Berichterstattung in den bürgerlichen Medien setzen.
Die meisten Artikel wurden in kleinen Teams verfasst, zusammengesetzt aus Migrant_innen und einer Person deutscher Muttersprache. Im Sinne des brasilianischen Pädagogen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Papierlose Zeitung ist ein Projekt der Autonomen Schule Zürich und der Bleiberecht-Bewegung. Mit der Zeitung wollen wir eine Gegenöffentlichkeit für migrantische Themen schaffen und so einen Kontrapunkt zur Berichterstattung in den bürgerlichen Medien setzen.<span id="more-1450"></span></p>
<p>Die meisten Artikel wurden in kleinen Teams verfasst, zusammengesetzt aus Migrant_innen und einer Person deutscher Muttersprache. Im Sinne des brasilianischen Pädagogen Paulo Freire soll das Projekt allen Beteiligten wechselseitigen Erfahrungsaustausch ermöglichen und den Migrant_in- nen die sprachlichen Elemente geben, um für sich selbst zu sprechen.</p>
<p>Die Artikel beleuchten das Thema Migration unter unterschiedlichen Aspekten: die Situation in den Herkunftsländern, die Lebensbedingungen in der Schweiz, Kultur, Rassismus, Fluchtgründe, theoretische Aspekte, Berichte aus der Bleiberecht-Bewegung sowie Auswanderung aus der Schweiz früher und im Jahr 2030.</p>
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		<title>Flüchtlinge als Stoff für Kunstprojekte. Ein Gespräch der Antikulti Ateliergruppe</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 10:27:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href="http://www.papierlosezeitung.ch/2012/05/fluchtlinge-als-stoff-fur-kunstprojekte-ein-gesprach-der-antikulti-ateliergruppe/"><img align="left" hspace="5" width="64" height="64" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/Foto-64x64.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe" alt="" title="Foto" /></a>Seit Februar 2010 entwickelt in Zürich eine Gruppe – zunächst unter dem Titel «Atelier», nun als Antikulti Atelier – gemeinsam gestalterisch-politische Projekte. Bei den wöchentlichen Treffen in institutionellen und autonomen Räumen in Zürich werden neue Ideen diskutiert, Entscheidungen getroffen– und es wird gearbeitet: zum Beispiel an einem Schattenspiel, an alternativen Stadtplänen oder am Bleibeführer. Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit Februar 2010 entwickelt in Zürich eine Gruppe – zunächst unter dem Titel «Atelier», nun als Antikulti Atelier – gemeinsam gestalterisch-politische Projekte. Bei den wöchentlichen Treffen in institutionellen und autonomen Räumen in Zürich werden neue Ideen diskutiert, Entscheidungen getroffen– und es wird gearbeitet: zum Beispiel an einem Schattenspiel, an alternativen Stadtplänen oder am Bleibeführer. Der Fokus der Projekte liegt auf dem Kampf für die Rechte aller Menschen, die hier sind.</strong></p>
<p><a href="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/Foto.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1447" title="Foto" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/Foto-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" /></a>A: Was ist das Thema dieses Gesprächs?</p>
<p>B: Das Thema ist «Flüchtlinge als Stoff für Kunstprojekte».</p>
<p>C: Was genau bedeutet das?</p>
<p>B: Stoff ist das Material, aus dem du etwas machst. Die Frage geht dann in die Richtung, ob wir Flüchtlinge Material sind und ein_e Künstler_ in kommen kann, um aus dem Material Kunst zu machen. <span id="more-1446"></span>Ein Beispiel dafür war eine Anfrage von einem Künstler vor etwa einem Jahr, der ein Flüchtlingscamp in einer Ausstellung in Basel inszenieren wollte.* Ich kann mir vorstellen, dass da eine Glasscheibe gewesen wäre und dahinter eine Notunterkunft. Es wurde angefragt, ob ein paar Flüchtlinge aus Nordafrika organisiert werden könnten, die in diesem Kunststück einfach die ganze Zeit herumstehen. Die Person sagte, sie mache Kunst, und sie wolle kritisch sein. Dazu stellt sich die Frage: Sind wir Flüchtlinge Ausstellungsobjekte, die alle anschauen kommen kön- nen? Oder können wir auch selber entscheiden, mitbestimmen, reden, diskutieren und sagen was wir schlussendlich wollen oder nicht?</p>
<p>C: Niemand ist ein Objekt, weder in der Kunst noch sonst wo. Wir müssen selber erklären, was wir machen. Ich finde manchmal benutzen Künstler_innen Leute. Du hast von dem Camp-Pro- jekt erzählt, und ich glaube die Flüchtlinge hatten keine Stimme, sie sollten nur schlafen oder essen. Ich finde es erst richtig, wenn man die Leute fragt: «Was ist los? Was denkt ihr?» Dialoge und Meinungen – das ist die richtige Kunst. Die trennende Glasscheibe müsste man weglassen und die Flüchtlinge direkt erklären lassen, wie sie mit Schwierigkeiten leben. Es ist eine Frage der Entscheidung für die Kunst.</p>
<p>D: Was wichtig ist, ist eine Perspektive zu haben und diese zu thematisieren: Was ist mein Wunsch? Wofür arbeite ich? Was ist mein Ziel in dieser Situation? So, dass auf diese problematische Situation, die ja vorhanden und real ist, ein anderer Blickwinkel, ein anderer Themenschwerpunkt gelegt werden kann, dass nicht nur immer auf die gleichen Probleme fokussiert wird. Die Leute haben Probleme, aber sie leben auch im Jetzt und Hier und sie haben Ideen und Wünsche. Irgendwie braucht es auch Punkte, wo man verarbeiten kann, was man erlebt hat. Dazu soll die Kunst doch auch dienen.</p>
<p>E: Künstler_innen nehmen Leute und machen ein Projekt und man weiss nicht, was das Ziel von diesen Leuten ist. Ich kann nicht in einem Projekt teilnehmen, wenn ich nicht weiss, welche Rolle ich spiele und was das Ziel von diesem Projekt ist.</p>
<p>B: Also entscheiden und mitbestimmen?</p>
<p>E: Ja!</p>
<p><strong>Eine Stimme geben – wer erlaubt wem wann zu sprechen?</strong></p>
<p>F: Ich frage mich dann immer, was das Besondere an der Kunst ist. So, wie wir es jetzt besprochen haben, ginge es eher in die Richtung, Leuten eine Stimme zu geben und möglichst unverstellt die Realität oder die vorhandenen Probleme aufzuzeigen. Das kann man ja auch politisch machen. Das ist ja nicht per se Kunst. Da frage ich mich dann schon, was die künstler- ische Darstellung beitragen kann. Die müsste ja eigentlich mehr machen, als Personen nur eine Stimme zu geben.</p>
<p>I: Für mich ist die Kunst die Möglichkeit, politisch aktiv zu sein und meine Anliegen und Ansichten vor ein Publikum zu bringen. Mit der Ateliergruppe, mit Kunst und Theater, können wir durch die Aufführungen oder durch andere Veranstaltungen mit dem Publikum direkt spre- chen. Das ist wichtig für mich. Mit der Ateliergruppe waren wir in Luzern und dort konnten wir beobachten, dass sehr viele Leute Interesse haben an unseren Projekten. Ich war so glücklich, weil so viele Leute interessiert waren. Auch fragen mich immer Leute, ob es noch Bleibeführer gibt. Ich glaube die Kunst funktioniert so, dass wir mit einer anderen Sprache mit anderen Menschen sprechen können. Ohne Krieg. Wir können alles sagen, was wir möchten. Politische Kunst ist die beste Kunst für mich.</p>
<p>B: Also das wirft die Frage auf, was wir eigentlich unter Kunst verstehen. Diese Argumentation von «eine Stimme geben» ist oft zu hören bei Menschen, die irgendein Projekt mit Flüchtlingen machen: «Wir wollen diesen Leuten, die keine Stimme in dieser Gesellschaft haben, eine Stimme geben.»</p>
<p>A: Das ist schon hierarchisch: Wenn man eine Stimme gibt, ist man schon da und sagt: «Ah, ich bin so grosszügig und gebe dir eine Stimme.»</p>
<p>B: Genau. Aber da stellt sich zuerst die Frage: Wer gibt die Stimme wem? Wann, wo und wie?</p>
<p>D: Und genau solche Fragen klammern wir aus, denn im Atelier versuchen wir hauptsächlich, uns die Stimme zu nehmen.</p>
<p>B: Vielleicht geht es auch darum, die Stimme auszuüben, weil wir schlussendlich alle eine ei- gene Stimme haben. Das Problem ist aber, dass wir manchmal nicht gehört werden. Beispiels- weise bei einer Demonstration am 1. August, sagte Widmer-Schlumpf zu den Demonstrant_<br />
innen: Ich rede nach der Veranstaltung mit drei Sprecher_innen und gebe euch fünf bis zehn Minuten.» Also, Widmer-Schlumpf sagte aus ihrer Machtposition, wann, wo, wie und wie lange zu reden sei. Wenn wir das einfach annehmen, dann akzeptieren wir das: «Du bist die, die entscheiden kann, und wir sind die, die sich anpassen.» Dabei kann ein Schweigen selbst subversiv sein. Wir müssen nicht wie Zirkuspapageien reden. Sondern wir können reden, wann wir wollen und schweigen, wenn wir nicht reden wollen.</p>
<p>D: Zur Problematik, wer wem und wie lange eine Stimme gibt, kommt mir ein Animationsfilm** in den Sinn, welchen wir vor einiger Zeit zusammen angeschaut haben. Ein junger Künstler hat sich mit dem Thema Fluchtweg auseinandergesetzt und damit sogar einen Preis gewonnen. Problematisch empfand ich bspw. die zum Lachen provozierende Darstellung der Flüchtlinge. Krieg, ein überfüllter Lastwagen, Grenzübergänge, Meerüberquerung in Nussschalenbooten – und mitten drin die Strichmännchen-Flüchtlinge, die mal erschossen werden, mal theatral vom LKW fallen oder elend ertrinken. Der Künstler produzierte genau diesen in den Medien allgegenwärtigen Proto-Flüchtling, der schlussendlich in der Schweiz strandet.</p>
<p>A: Am Schluss gab es allerdings eine Kehrtwendung. Es ist aber absurd, dass stereotype Ge- schichten immer wieder gezeigt werden müssen, als ob das die einzige Weise wäre, Kritik zu üben.</p>
<p><strong>Fremd- und Selbstzuschreibung – Flüchtlingsein als einzige «soziale Position»?</strong></p>
<p>A: Es geht in der Ateliergruppe auch darum, sich mit Zuschreibungen und Identitäten wie «Ihr seid alle Flüchtlinge» auseinanderzusetzen. Wir sind Leute mit ganz unterschiedlichen Aufenthaltsrechten und machen zusammen politische Arbeiten oder politische Aktionen. Vielleicht kann diese Zuschreibung darum gar nicht mehr so einfach gemacht werden.</p>
<p>B: Genau, der Punkt ist: Es wird immer betont, wie wichtig es ist, dass Flüchtlinge über Flüchtlinge reden. Antirassistisch ist, was wir sagen, egal ob es ein Flüchtling, eine sogenannte Schweizerin oder ein Deutscher sagt. Was wir hier versuchen, ist eine gemeinsame Stimme zu erarbeiten. Wenn Schweizer_innen z.B. sagen «das müssen die Betroffenen selbst sagen», dann ist es weiterhin so, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, welche die Zuschreibung «ihr Flüchtlinge seid so» und «wir Schweizer_innen sind anders» machen können.</p>
<p>G: Ich finde schon, dass es eine Berechtigung gibt zu sagen: «Ich muss jetzt nichts dazu sagen». Wenn es sich Leute in einer Gesprächssituation einfach machen, Deutsch zu sprechen und sowieso immer die gleichen Leute reden, dann ist es manchmal gut, nichts zu sagen und sich dafür einzusetzen, dass Sprechzeiten und Sprechpositionen gleich verteilt sind.</p>
<p>H: Viele Leute sprechen über uns und unsere Projekte. Wir sind aber nicht nur Flüchtlinge. Ich bin gleichzeitig auch H oder er/sie ist K, nicht nur Flüchtling oder Asylbewerber_in. Aber wir erklären immer nur unsere Probleme. Ich möchte aber nicht mehr über die Probleme sprechen, ich kann auch mit anderem «Material» etwas machen. Das wäre auch möglich, aber wir denken nicht so. «Flüchtling» ist meine soziale Position. Aber ich bin nicht nur diese «soziale Position». Aber das machen wir auch selbst: uns auf diese soziale Position beschränken. Das Schattenspiel gefällt mir jetzt, weil wir etwas anderes machen. Das Thema ist auch anders.</p>
<p>C: Ich glaube auch in der ANTIKULTI- Gruppe machen wir nicht immer nur etwas für Flüchtlinge. Der Bleibeführer ist nicht nur für Flüchtlinge, er ist für alle Bewohner_innen in Zürich. Auch das Schattenspiel ist nicht nur über das Thema Flüchtlinge, sondern zum Thema Freiheit, weil alle Leute Freiheit brauchen. Deshalb finde ich auch, dass die Gruppe ganz offen ist, wir sind nicht immer mit der Flüchtlingsthematik beschäftigt.</p>
<p>E: Viele Leute haben dieses Gefühl «ich bin Flüchtling» auch selber. Er ist Europäer oder Schweizer, ich bin Flüchtling. Aber bevor ich ein Flüchtling bin, bin ich ein Mensch.</p>
<p>B: Genau diese Schubladisierung wollen wir nicht mehr. Weder wollen wir die guten Armen sein, noch die bösen Drogendealer_innen. Z.B. bei der Integration geht es doch darum: Integration heisst, aus allen gute Flüchtlinge zu machen: Arme Leute, die dankbar und anständig sind, die immer «Guten Morgen!» sagen und keine Probleme machen.</p>
<p>I: Roboter!</p>
<p><em>* Flüchtlingslager im Rahmen der CHASOS-Kampagne 2011 (13.–19. Juni 2011, Halle 32, Messegelände Basel) von Andreas Heusser</em></p>
<p><em>** Animationsfilm Bon Voyage (2011) von Fabio Friedli</em></p>
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		</item>
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		<title>Haikus &amp; Unhaikus zum Thema &#8220;Heimat&#8221;</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 10:10:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich vermisse die Heimat
Im Winter kochen wir
Um zusammen zu essen
Binjam
Ich schaue in den Himmel
Spreche mit meiner Gottheit
Denke «Free Tibet»
Yangyal Tsang
Meinen Kollegen hab&#8217;
Ich verlassen aber
Ich vermisse ihn
Heimat bedeutet
Für mich das Leben meiner
Familie und Freunde
Wir wollen spielen
Im schönen Wetter essen
Zusammen mit den Eltern
Ich habe gerne
Schöne Blumen, ich sehe
Immer gerne sie
Ich werde zum Kind.
Mutter kümmert sich um mich.
Viel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich vermisse die Heimat<br />
Im Winter kochen wir<br />
Um zusammen zu essen<br />
<em>Binjam<span id="more-1441"></span></em></p>
<p>Ich schaue in den Himmel<br />
Spreche mit meiner Gottheit<br />
Denke «Free Tibet»<br />
<em>Yangyal Tsang</em></p>
<p>Meinen Kollegen hab&#8217;<br />
Ich verlassen aber<br />
Ich vermisse ihn</p>
<p>Heimat bedeutet<br />
Für mich das Leben meiner<br />
Familie und Freunde</p>
<p>Wir wollen spielen<br />
Im schönen Wetter essen<br />
Zusammen mit den Eltern</p>
<p>Ich habe gerne<br />
Schöne Blumen, ich sehe<br />
Immer gerne sie</p>
<p>Ich werde zum Kind.<br />
Mutter kümmert sich um mich.<br />
Viel Essen und Schlaf</p>
<p>Ich vermisse sie<br />
Meine geliebte Heimat<br />
Immer im Herz</p>
<p>Er mahlt das Korn, um<br />
Kräftiges Brot zu haben.<br />
Wir haben keine Not<br />
<em>Remedan</em></p>
<p>Ich vermisse sie<br />
Meine Heimat weint, weil der<br />
Krieg unbehindert ist<br />
<em>Kleinherz</em></p>
<p>Eine Wurzel ist die Heimat<br />
Darauf steht der Lebensbaum<br />
überall auf der Welt<br />
<em>Toni</em></p>
<p>Ich spiele Fussball<br />
Von Montag bis Freitag<br />
Lerne ich im Tigrina-Kurs</p>
<p>Flüssiger Käse<br />
An langen Gabeln klebend<br />
Rettet den Morgen</p>
<p>Turmschattenbrücke<br />
Nebel in der Ferne strahlt<br />
Züge rollen durch</p>
<p>Heimat ist wo ich<br />
Die Füsse hochlegen kann<br />
Mit Sternen herum</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Radio Empathie FM Tagesnachrichten: Eine Analyse über Klimaflüchtlinge</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 10:04:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.papierlosezeitung.ch/?p=1438</guid>
		<description><![CDATA[Von Penaber Nenas
Radiomoderator (rm): Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, heute wollen wir zum Thema Klimaflüchtlinge ein Beispiel geben. Wir sprechen mit einem Asylbewerber aus der Schweiz.
rm: Guten Tag, Herr Heim, können Sie sich kurz vorstellen?
Heim: Guten Tag, ich bin Christoph Heim und bin seit dreieinhalb Jahren in einer Naturunterkunft und warte auf meinen Asylprozessbeendigungsentscheid.
rm: Aus was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von Penaber Nenas</p>
<p><em>Radiomoderator (rm): Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, heute wollen wir zum Thema Klimaflüchtlinge ein Beispiel geben. Wir sprechen mit einem Asylbewerber aus der Schweiz.</em><span id="more-1438"></span></p>
<p><em>rm: Guten Tag, Herr Heim, können Sie sich kurz vorstellen?</em></p>
<p>Heim: Guten Tag, ich bin Christoph Heim und bin seit dreieinhalb Jahren in einer Naturunterkunft und warte auf meinen Asylprozessbeendigungsentscheid.</p>
<p><em>rm: Aus was für einem Grund sind Sie geflüchtet?</em></p>
<p>Heim: Ich habe in meiner Heimat gelebt und hatte eine gute Karriere. Nach der Klimaerwärmungskatastrophe bin ich hierher geflüchtet.</p>
<p><em>rm: Was für eine Katastrophe ist passiert?</em></p>
<p>Heim: Die Eisberge sind geschmolzen und danach ist der Meeresspiegel gestiegen. Ich habe als Chemieingenieur für eine grosse Pharmafirma gearbeitet. Ich habe ein Trauma von dieser Zeit, weil ich sorglos giftige Schadstoffe in die Natur gelassen habe. Aus Gründen wie diesen bestraft die Natur uns. Die ganze Schweiz ist unter Wasser, deswegen habe ich Asyl beantragt.</p>
<p><em>rm: Wie ist Ihre Chance für eine Aufenthaltsbewilligung?</em></p>
<p>Heim: Das ist die Schwierigkeit, die ich habe. Früher mussten abgewiesene Asylbewerber in einer Notunterkunft mit Migros- Gutscheinen leben. Ich muss jetzt in einer Naturunterkunft (NUK) mit Natur-Gutscheinen leben.</p>
<p><em>rm: Was heisst das genau?</em></p>
<p>Heim: Es ist wie eine Bestrafung. Man kann auch sagen: eine Selbstkritik über Naturverbrechen. Ich muss in einem Holz- NUK ohne Elektrizität usw. alles selber produzieren und Naturgutscheine (Pilze, Kräuter, &#8230;) sammeln aus der Natur, aber nur genug zum Essen. Ich darf keine Mehrgutscheine sammeln, weil es Strafe für jeden Mehrgutschein gibt. Das sind die Kriterien für eine Bewilligung. Wenn ich acht Jahre die Kriterien beachte, dann gibt es die Aufenthaltsbewilligung.</p>
<p><em>rm: Acht Jahre? Müssen alle so lange warten?</em></p>
<p>Heim: Na ja, ich denke, es ist eine kurze Zeit, wenn ich es mit meinem vorherigen Verbrechen vergleiche. Nicht alle müssen so lange warten. Zum Beispiel ein Biobauer oder eine Person, die der Umwelt Sorge trägt, bekommt in kurzer Zeit einen Entscheid.</p>
<p><em>rm: Herr Heim, es hat mich gefreut mit Ihnen zu sprechen. Alles Gute!</em></p>
<p>Heim: Danke und auf Wiederhören!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Was wollen sie mehr von uns als die Arbeit?!</title>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 09:49:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href="http://www.papierlosezeitung.ch/2012/05/was-wollen-sie-mehr-von-uns-als-die-arbeit/"><img align="left" hspace="5" width="64" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/7-Karikatur-Nariman-300x213.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe" alt="" title="7-Karikatur-Nariman" /></a>Von Nareeman Shawkat
Alle arbeiten um zu leben, und leben nicht um zu arbeiten &#8230; In der Arbeit gibt es Rechte und Pflichten, aber welche sind grösser: die Rechte oder die Pflichten? Schaut der Arbeitgeber zuerst auf die Rechte oder auf die Pflichten?
Die Arbeit kann den Menschen nicht in einer engen Ecke im Leben lassen. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/7-Karikatur-Nariman.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1435" title="7-Karikatur-Nariman" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/7-Karikatur-Nariman-300x213.jpg" alt="" width="300" height="213" /></a>Von Nareeman Shawkat</p>
<p>Alle arbeiten um zu leben, und leben nicht um zu arbeiten &#8230; In der Arbeit gibt es Rechte und Pflichten, aber welche sind grösser: die Rechte oder die Pflichten? Schaut der Arbeitgeber zuerst auf die Rechte oder auf die Pflichten?<span id="more-1434"></span></p>
<p>Die Arbeit kann den Menschen nicht in einer engen Ecke im Leben lassen. Die Arbeit darf nicht ohne den Willen der Mitarbeiter_ innen sein. Es muss der Mensch die Arbeit wählen, die er/sie liebt, dann kann er/sie mit liebe und immer arbeiten. Dies ist ein Menschenrecht: die Arbeit, die man sich wünscht, zu wählen&#8230; Aber ist jetzt die Arbeit in den demokratischen Ländern optional oder auferlegt?</p>
<p>Mit der Auferlegung und Festlegung der Arbeitsbranchen für die Menschen gibt es auch eine grosse Ausbeutung der Fleissigen durch die Arbeitgeber_innen, manchmal bis zur Übertretung der Arbeitsgesetze und der Grundsätze des Rechts und der Menschlichkeit: zum Beispiel Arbeitsüberlastung und schlechte Behandlung des/der Arbeitnehmer_in bei der Arbeit. Und wenn er/sie immer schlecht behandelt wird, dann kann er/sie das nicht mehr akzeptieren und hat keine Lust mehr, dort zu arbeiten.</p>
<p>Einer der Gründe für die steigende Arbeitslosenrate ist die Ausbeutung und die schlechte Behandlung der Arbeitnehmer_innen bei der Arbeit durch die Arbeitgeber_innen. Niemand, weder Gerichte, noch die Regierung oder Organisationen, nehmen diesen Grund ernst. Der/die Mitarbeiter_in ist ein Mensch, und die Natur des Menschen ist gegen alle Unterdrückung, Ausbeutung und Beleidigung.</p>
<p>Die Wirtschaftskrise gibt in naher oder ferner Zukunft den Arbeitgebern mehr Macht in der Ausnutzung der Mitarbeiter_innen. Aber was wäre das Resultat? Was ist die Reaktion der Arbeiter_innen? Was ist die Position der Gesetze dagegen? Die Frage stellt sich jetzt: Ist die Arbeit nur ein Mittel, um reich zu werden, oder eine moralische Lebensphilosophie?</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Utopie vs. Realität &#8211; WG Babylon. Eine Theaterwohngemeinschaft</title>
		<link>http://www.papierlosezeitung.ch/2012/05/utopie-vs-realitat-wg-babylon-eine-theaterwohngemeinschaft/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 May 2012 09:44:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href="http://www.papierlosezeitung.ch/2012/05/utopie-vs-realitat-wg-babylon-eine-theaterwohngemeinschaft/"><img align="left" hspace="5" width="64" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/8-u-9-dn-IMG-2263-300x199.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe" alt="" title="8-u-9-dn-IMG-2263" /></a>Zum Projekt WG Babylon I + II
Acht Theaterpädagogikstudent_innen, drei Dramaturgiestudent_ innen und zehn Schüler_innen der Autonomen Schule Zürich begaben sich letzten Herbst zusammen auf eine mehrteilige Suche nach unterschiedlichen Lebensrealitäten und Formen des Zusammenlebens. Das Ergebnis, WG Babylon I, wurde nach sieben Wochen auf einer speziellen Bühne gezeigt: Einem Turm aus Holz, gebaut von Architekturstudent_innen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zum Projekt WG Babylon I + II</strong></p>
<div id="attachment_1432" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/8-u-9-dn-IMG-2263.jpg"><img class="size-medium wp-image-1432" title="8-u-9-dn-IMG-2263" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/8-u-9-dn-IMG-2263-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text"> Aus der Aufführung von WG Babylon II im Theaterhaus Gessnerallee, Zürich, am 22. und 23. März 2012 Foto: Gäelle Ny</p></div>
<p>Acht Theaterpädagogikstudent_innen, drei Dramaturgiestudent_ innen und zehn Schüler_innen der Autonomen Schule Zürich begaben sich letzten Herbst zusammen auf eine mehrteilige Suche nach unterschiedlichen Lebensrealitäten und Formen des Zusammenlebens. Das Ergebnis, WG Babylon I, wurde nach sieben Wochen auf einer speziellen Bühne gezeigt: Einem Turm aus Holz, gebaut von Architekturstudent_innen der ETH Zürich, unter freiem Himmel auf dem Hönggerberg. Auf Einladung des Theaterhauses Gessnerallee hat die Gruppe entschlossen, WG Babylon I zu überarbeiten. Während der zweiten fünfwöchigen Probephase stellte sich heraus, dass der Turm mangels Baubewilligung nicht an der Gessnerallee aufgestellt werden konnte. Also zog die WG um, in die unbeheizte Werkstatt des Theaters, wo sie der Realität einen Schritt näher kam: Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche wurden eingerichtet, wo der Turm hätte stehen sollen war nun die Realität – WG Babylon II.<span id="more-1424"></span></p>
<p style="text-align: right;">Von Katarina Tereh</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Biographien</strong></p>
<p style="text-align: left;">Ich bin Deborah Imhof, bin 22 Jahre alt und ich studiere an der Zürcher Hochschule der Künste in der Vertiefung Theaterpädagogik. Meine Schulzeit habe ich in der Steinerschule verbracht. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich das erste mal Alkohol getrunken, ich fühlte mich wie eine Rebellin. Mit meinem Schulabschluss kann ich alles machen, was ich will. Mir steht die Welt offen, auf meinem Sparkonto sind 8&#8242;000 Franken.</p>
<p style="text-align: left;">Mein Name ist Nistiman Amed, ich bin 33 Jahre alt. Ich bin Kurde. Als ich 16 Jahre alt war, habe ich angefangen mich politisch zu engagieren. Mit den olivegrünen Jacken wollten wir eine Revolution machen. Ich war in der Türkei für sechs Monate in Untersuchungshaft, weil ich einen Sack berührt habe, in dem verbotene Fahnen der kurdischen Arbeiterpartei PKK waren. Dafür hätte ich sechs Jahre Gefängnis bekommen sollen. Darum flüchtete ich in die schweiz.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Interview 1</strong></p>
<p style="text-align: left;"><em>Nistiman: Wie hat sich deine Sicht auf die Autonome Schule Zürich (ASZ) während der WG Babylon-Projekte verändert?</em></p>
<p style="text-align: left;">Deborah: Ich habe die Autonome Schule ehrlich gesagt vorher gar nicht  gekannt. Als uns unsere Dozentin eröffnete, dass wir mit der ASZ  arbeiten werden, war mein erster Gedanke: «Super, das interessiert  mich!» Mein zweiter Gedanke war: «Ui, das wird nicht so einfach werden,  ich habe grossen Respekt vor dieser Arbeit.» Da ich aber von Bern  Institutionen wie die Reitschule, das Denkmal und das la Biu in Biel ein  bisschen bis sehr gut kenne, war mir die Autonome Schule von Anfang an  nicht fremd. Ich finde die Autonome Schule macht eine geniale Arbeit und  durch die Projekte wurde sie mir auch sehr nahe gebracht.</p>
<p style="text-align: left;"><em>Nistiman: Normalerweise steigen Mitspieler_innen aus Theaterprojekten  aus, weil sie persönliche Probleme haben, z.B. Krankheit, zu viel Stress  oder weil es ihnen nicht gefällt. Bei Nelson und Abdullah war es ein  ganz anderer Grund, sie mussten ins Gefängnis. Wie bist du mit dieser  Situation umgegangen?</em></p>
<p style="text-align: left;">Deborah: Ja, das war sehr schwierig. In beiden Projekten kam in der  Endphase plötzlich jemand nicht mehr zur Probe, wir wussten nicht was  los war und erreichten sie nicht auf dem Handy. Wir waren eigentlich  durchs ganze Projekt damit konfrontiert, dass dies passieren kann. Wir  beschäftigten uns ja mit genau solchen Schicksalen. Und doch ist es ein  riesen Schock, wenn dir plötzlich bewusst wird: jetzt ist einer der  Schauspieler im Gefängnis.</p>
<p style="text-align: left;">Bei <em>WG Babylon</em> I ist Abdullah am Tag der letzten Aufführung wieder aufgetaucht, Nelson sitzt nun im Ausschaffungsgefängnis. Wir haben einerseits versucht diese Geschichten im Theaterstück zu thematisieren. Andererseits versuchen wir uns um die Menschen zu kümmern. Doch da kommt man so schnell an Grenzen, weil das Recht und die Gesetze kompliziert zu lesen sind, und wir in unserer Funktion rechtlich nichts machen können. Ich bin der Meinung, dass eigentlich jeder dieser Menschen eine professionelle Unterstützung bräuchte – eine Person, die kostenlos hilft, durch den Dschungel von Administration und Papierkram zu gelangen.</p>
<p style="text-align: left;"><em>Nistiman: Wie hat sich die Theaterarbeit mit Sans-Papiers und Asylsuchenden über die Zeit verändert?</em></p>
<p style="text-align: left;">Deborah: Zu Beginn war ich oft verunsichert. Wir mussten die Menschen kennenlernen, mit ihnen Zeit verbringen, und sie mussten Vertrauen zu uns finden und dazu, dass das, was wir machen, zu irgendwas taugt. In <em>WG Babylon I </em>geschah ganz viel Kennenlernarbeit. Wir Student_innen suchten nach Wegen der Zusammenarbeit. Die ASZler_innen testeten uns, fragten und waren oft unserer Arbeitsweise gegenüber skeptisch. Das Resultat, das wir auf dem Turm zeigen konnten, führte zu einer Gemeinsamkeit. Jetzt hatten wir alle zusammen etwas erreicht, was in anderen Menschen etwas auslöste. Ich glaube, wir brauchten alle diese Bestätigung, um ohne lange zu zögern in <em>WG Babylon II</em> einzusteigen und das Projekt in fünf Wochen in einem vollkommen anderen Raum neu umzusetzen. Für mein Empfinden haben wir in unserem Theaterstück für unser Publikum nicht etwas «gespielt», sondern wir haben unsere Geschichten, Ansichten und Übersetzungen von Träumen in eine theatrale Form gebracht.</p>
<p style="text-align: left;"><em>Nistiman: Und wie hat sich dein Blick – der einer Schweizer Theaterpädagogik-Studentin – auf die Asylproblematik durch die Projekte und die Zeit mit den ASZler_innen verändert?</em></p>
<p style="text-align: left;">Deborah: Ich hatte mich vor den Projekten auch schon mit diesen Themen auseinandergesetzt. Aber, wie ich merke, nur sehr oberflächlich. Natürlich habe ich jetzt so einiges erfahren, wie das Asylsystem als Ganzes funktioniert. Und trotzdem habe ich gleichzeitig das Gefühl, je mehr ich davon höre, desto weniger versteh&#8217; ich es. Nelson, unser Schauspieler, der im Ausschaffungsgefängnis sitzt, sagte zu uns: «The law was made by humans, I cannot understand why humans then don’t understand it!» Weiter habe ich für mich gemerkt, dass die Lösungen ganz unten anfangen. «Jeder Mensch braucht eine Basis, damit er/ sie die Realität anpacken kann.» Eine Aussage, die wir mit unserem Stück <em>WG Babylon II</em> machen wollten. Ein Aufruf dazu, dass jede_r Einzelne etwas dafür tun kann, dass das leben der Asylsuchenden und Sans-Papiers besser wird. Und seien es nur kleine Dinge, wie: an einer Party mit jemandem ein Bier trinken und einen Abend verbringen oder für jemanden einen SIM-Karten-Vertrag abschliessen. Ich alleine kann das Gesetz nicht ändern, aber wenn wir uns kennenlernen, können wir vielleicht gemeinsam etwas tun.</p>
<p style="text-align: left;"><strong>Interview 2</strong></p>
<p style="text-align: left;"><em>Deborah: Was für Vorstellungen hattest Du vom Theater, bevor wir zusammengearbeitet haben?</em></p>
<p style="text-align: left;">Nistiman: Es hat in meinem Leben zwei Abschnitte gegeben, was Theater und Kunst betrifft. Einen in meinem Herkunftsland und dann einen hier, im Exil. Früher in meiner Heimatstadt Amed gab es zwei verschiedene Theater: Das Staatstheater, das klassische Theaterstücke für die Elite inszenierte, und das alternative Stadttheater, das sich engagierte im Kampf für die nicht anerkannten Sprachen und Kulturen von Minoritäten. Das Theater in der Schweiz hat mich an das Staatstheater in Amed erinnert, das mich nicht berührt hat, weil es nicht politisch motiviert war. Und hier habe ich wegen des Kulturschocks am Anfang auch wenig Interesse am Theater gehabt. Denn ich fühle mich ausserhalb der Gesellschaft stehend, und ich denke auch, dass das Theater hier vor allem etwas für eine gesellschaftliche Elite ist.<br />
In der Türkei ist meine Muttersprache Kurdisch verboten. Ich habe daher erst mit 28 Jahren im Stadttheater eine Theateraufführung von Prometheus auf Kurdisch gesehen. Den Prometheus-Mythos habe ich da als revolutionäres Thema verstanden. Das war ein grosser Unterschied zum Staatstheater, wo Kultur nur aus der Perspektive der türkischen Regierung gezeigt wurde.<em></em></p>
<p style="text-align: left;"><em>Deborah: Was sind für dich die prägendsten Erfahrungen aus WG Babylon I + II und unserer gemeinsamen Performance Living in a Limited Place?</em></p>
<p style="text-align: left;">Nistiman: Vor WG Babylon hatte ich noch keine Erfahrungen mit Theaterprojekten. Ich fühle mich mehr als Aktivist, als als Schauspieler. Ich habe vor allem gelernt, gegen Verletzungen von Menschlichkeit, wie Rassismus, vorzugehen. Ich versuche den Leuten klar zu machen, dass ich nicht einfach nur «ein Immigrant» bin, über den in Zeitungen und Plakatkampagnen so viel Schlechtes zu lesen ist. Widerstand gegen Rassismus gab mir auch die Kraft, um am Projekt WG Babylon teilzunehmen. Ich lernte da dann weiter, meine Schmerzen nicht in mir zu verschliessen, sondern sie mit anderen Menschen zu teilen. Unsere Szenen gingen von meinem Tagebuch aus. Meine persönlichen Erfahrungen konnten durch das Theater vielleicht ein paar Fragen in den Köpfen der Zuschauer_innen auslösen und stereotype Erklärungen von Fluchtgründen abbauen. In Living in a Limited Place haben wir unter anderem meine Gefängniserfahrungen zum Alltagsrassismus in der Schweiz in Beziehung gesetzt. Dadurch konnte ich meine Erfahrung, mich hier in einem «offenen Gefängnis» zu fühlen, ansprechen.</p>
<p style="text-align: left;"><em>Deborah: Wie hat sich deine Sichtweise vom Theater, von den Schweizer_innen und von deiner eigenen Situation geändert?</em></p>
<p style="text-align: left;">Nistiman: Mein Interesse am Theater ist, wie ich am Beispiel Prometheus beschrieben habe, vor allem ein Interesse an einer Kunst, die eine politische Grundlage hat. Mitten in den Konflikten, in denen ich Theater kennengelernt habe, war es ja sowieso immer ein Luxus, sich mit Kunst zu befassen. Im Krieg fürchten die Menschen um ihr Leben. Und wenn dann überhaupt Theateraufführungen zu sehen sind, dann meistens Tragödien, die mit kriegerischen Umständen zu tun haben. Hier dagegen spielt Theater, denke ich, eine andere Rolle. Theater ist in erster Linie Kunst und beschäftigt sich weniger direkt mit sozialen Auseinandersetzungen. Und selbst wenn Theater auf gesellschaftliche Konflikte eingeht, dann bleiben mir diese Konflikte fremd, weil ich ein Fremder bin hier und einen ganz anderen Kunstgeschmack habe, der eben durch die Theaterkultur in meinem Herkunftsland geprägt ist. Das alles bedeutet, es gibt für mich viele Vorurteile zu überwinden, wenn ich hier eine Theateraufführung anschaue.<br />
Während der Projektarbeit konnte ich solche Vorurteile überwinden. Oft konnte ich aber auch meine Meinung nicht genau genug in Worte fassen, wegen der verschiedenen Sprachen und Kulturen. Ich machte mir oft Sorgen, dass ich nicht ausdrücken kann, was ich mit dem Theaterprojekt wirklich möchte. Mit WG Babylon entstand aber auch einen WG-Atmosphäre, wenn wir uns als Projekt-Freund_innen getroffen haben. Das half mir sehr, nicht im Ghetto meiner Nationalität zu bleiben und nicht nur Leuten in einer ähnlichen Asyl-Situation näher zu kommen, sondern eben auch Schweizer_innen – eine gute Form, verschiedene Leute mit unterschiedlichen Lebensrealitäten kennen zu lernen.<em></em></p>
<p style="text-align: left;"><em>Deborah: Was waren deine Ängste oder Schwierigkeiten beim Theaterprojekt?</em></p>
<p style="text-align: left;">Nistiman: Zuerst hatte ich ein Vorurteil: Ich bin Asylbewerber, und Künstler_innen können ein Interesse daran haben, mich deswegen «als Objekt» in ihre Projekte einzubeziehen. Denn sobald sie ihre Fantasien erschöpft haben, suchen sie andere Themen und benutzen uns gerne als interessantes Kunstobjekt. Dabei verfolgen sie nur ihre eigenen künstlerischen Perspektiven und vergessen uns nach der Aufführung. Das andere Bedenken, mich hier als Teilnehmer in Theaterprojekten zu sehen, war wegen der unterschiedlichen Interessen und Lebensgrundlagen der Beteiligten. Aber von solchen Bedenken bin ich im Verlauf der acht Monate in unseren Theaterprojekten mehr und mehr abgekommen.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Rassismus &#8211; Kritik und Selbstkritik</title>
		<link>http://www.papierlosezeitung.ch/2012/04/rassismus-kritik-und-selbstkritik/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Apr 2012 15:39:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href="http://www.papierlosezeitung.ch/2012/04/rassismus-kritik-und-selbstkritik/"><img align="left" hspace="5" width="64" height="64" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/nisti_selbstkritik_1-64x64.jpg" class="alignleft wp-post-image tfe" alt="" title="nisti_selbstkritik_1" /></a>Es ist paradox: Aber ich bin dankbar für den Rassismus in der Schweiz. Denn er hat mir erklärt, was für eine Verletzung Rassismus ist. Von Tîgrana Farqîn
Es war in der Nacht vor Silvester. Ich war mit einem Freund auf dem Weg zum Limmatplatz. Nach der Langstrasse-Unterführung versperrten uns drei Männer den Weg und fragten uns [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es ist paradox: Aber ich bin dankbar für den Rassismus in der Schweiz. Denn er hat mir erklärt, was für eine Verletzung Rassismus ist. </strong>Von Tîgrana Farqîn</p>
<p><a href="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/nisti_selbstkritik_1.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-1420" title="nisti_selbstkritik_1" src="http://www.papierlosezeitung.ch/wp-content/uploads/nisti_selbstkritik_1-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a>Es war in der Nacht vor Silvester. Ich war mit einem Freund auf dem Weg zum Limmatplatz. Nach der Langstrasse-Unterführung versperrten uns drei Männer den Weg und fragten uns nach einer Zigarette. Wir sagten, dass wir keine hätten. Sie versuchten uns zu beklauen. Wir versuchten wegzulaufen, doch sie liessen uns nicht. Schliesslich schlugen sie uns. Durch die Fusstritte wurde ich bewusstlos und erwachte erst auf der Notfallstation wieder.<span id="more-1419"></span><strong>Unschuldig in U-Haft</strong></p>
<p>Ich war nur kurz auf der Station und blutete noch, als ich mich auf den Weg zur Polizeistation an der Zeughausstrasse machte, um Anzeige zu erstatten. Die ganze Prozedur dort dauerte zwei Stunden, der Polizist stellte Fragen, schrieb viel, ich musste Formulare ausfüllen und immer wieder warten. Der Umgangston war neutral. Ich war sehr gestresst, musste alle zehn Minuten eine Zigarette rauchen gehen. Der Polizist sagte mir, ich dürfe nicht weggehen. Ich sagte, ich sei ja freiwillig gekommen, da würde ich sicher nicht weglaufen. Am Ende teilte er mir mit, dass ich ebenfalls in Untersuchungshaft genommen würde.</p>
<p>Ich erschrak und antwortete, dass dies unmöglich sei, dass ich deswegen in Therapie ginge. Er sagte, er befolge nur das Gesetz, rief aber eine Ärztin, die nach 20 Minuten dort war. Es war eine SOS-Ärztin, sie stellte mir Fragen zur Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD). Ein Polizist war während des Gesprächs dabei, trotz der ärztlichen Schweigepflicht. Im Gefängnis in der Türkei kamen auch immer Soldaten mit ins Arztzimmer. Es war eine sehr sensible Situation. Ich fühlte, dass die Polizei mich als Simulant hinstellte. Die Ärztin bemühte sich nicht, mich zu verstehen, und sagte mir schliesslich, dass die Gefängnisse in der Schweiz anders seien als in der Türkei.</p>
<p><strong>Selbstmordgedanken wegen Traumatisierung</strong></p>
<p>Es kam mir alles wie ein Spiel vor, ein abgekartetes Theater, ich war wie blockiert. Ich hatte nicht einmal die Kraft zum Erklären. Ich fühlte mich allein, heimatlos, ohnmächtig, ausgeliefert. Nie wurde mir Recht zuteil, nicht in der Türkei, nicht in der Schweiz. Das Aussehen reicht, um anders zu sein. Sie fragte mich noch nach Medikamenten, ich gab Remeron an. Da sie das nicht dabei hatte, verschrieb sie mir etwas, an dessen Namen ich mich nicht erinnern kann. Ich sei ja höchstens einen halben Tag im Knast. Dann ging sie. Ich hatte Mühe mit Atmen, mein Herz raste, ich zitterte. Ich wollte die Medikamente nicht nehmen, ich hatte kein Vertrauen in sie. Daraufhin wurde ich in eine kleine Zelle geführt, wo ich alle Kleider ablegen musste. Ein Polizist mit Handschuhen untersuchte alle Körperöffnungen, wie in der Türkei. Dadurch wurde der PTSD-Film stärker.</p>
<p>Dann wurde ich von der Polizei wie ein Krimineller in Handschellen von der Zeughausstrasse durch einen unterirdischen Tunnel in die Kaserne gebracht. Es herrschte die gleiche Atmosphäre wie in Kurdistan auf dem Weg zum Gericht. Man bekam auf Fragen nur blöde oder gelogene Antworten. Ich wurde in die Zelle gebracht, wo ich zunächst drei Stunden allein war. Ich hatte sofort Selbstmordgedanken und fragte mich, was wohl als nächstes mit mir geschehen würde. Ich hatte keine Kraft, keine Geduld. Ich klopfte nach dem Wärter und sagte, ich müsse mit der Ärztin sprechen. Er sagte: «Warte ein bis zwei Tage. Hier hat jeder ein Problem, die Ärzte können nicht jeden sehen.»</p>
<p>Ich sagte, es gehe um Lebensgefahr, da ging er einfach weg, ohne mir zu antworten. Das war ein sehr schlimmer Moment für mich.</p>
<p>In der Nacht war das Neujahrsfeuerwerk, ich konnte aber auch sonst die ganze Nacht nicht schlafen. Am nächsten Tag fragte ich nach dem Pflichtverteidiger, doch man antwortete mir, ich sei nur kurz hier und bräuchte keinen Pflichtverteidiger. Alle würden einen Anwalt wollen.</p>
<p>Auch Sonntag Nacht schlief ich schlecht. Es war ein Gefühl wie in Kurdistan: Jederzeit kann jemand hereinkommen mit einem<br />
Stock oder mit Gas. Ich war in ständiger Alarmbereitschaft. Ich hatte auch keinen Appetit, und es gab nur vier Zigaretten pro 24 Stunden. Am Montagmorgen kam ich in grossen Stress. Anstatt zwei Stunden, wie angekündigt, war ich nun zwei Tage im Gefängnis gewesen. Wie würde es weitergehen? Ich hatte Angst.</p>
<p><strong>Dokumente gibt es nur bei schweizerdeutscher Nachfrage</strong></p>
<p>Nach dem Mittagessen wurde ich endlich freigelassen, zur gleichen Zeit wie der Mann, der mich verprügelt hatte. Innerlich empfand ich einen Sturm, aber ich konnte mich nicht ausdrücken. Ich empfand sehr stark, dass ich Ausländer bin, und dass es nirgends auf der Welt einen Platz für mich gibt. Ich wollte möglichst schnell weg. Im Auto stellte ich fest, dass die Berichte des Universitätsspitals fehlten, hatte aber Angst, nach Zürich zurückzukommen.</p>
<p>Am nächsten Tag habe ich nach dem Couvert des Spitals gefragt und die Situation erklärt. Die Polizistin meinte, sie könne es nicht herausgeben, ich solle den Hausarzt fragen. Am Mittwochmorgen kam eine Schweizer Kollegin mit mir mit. Sie fragte am Schalter auf Schweizerdeutsch und hatte das Problem nach drei Minuten gelöst.</p>
<p>Dieses Ereignis löste bei mir eine Reise in die Erinnerung aus, ein Flashback. Als ich als politischer Aktivist in Amed (Diyarbakir) lebte, arbeitete ich vor allem als Dolmetscher für europäische Menschenrechtsdelegationen. Ich bekam einen Anruf. Es war ein dänischer Freund. Er fragte mich, ob ich Zeit hätte. Ich sagte ihm ja. Dann trafen wir uns. Er war dort für ein Projekt des Roma-Rechtezentrums der Europäischen Union und der Helsinki Citizens’ Assembly. Sie wollten zusammen mit Roma einen Verein gründen, um deren Rechte, Kultur und Sprache zu stärken. Das Projekt gefiel mir sehr.</p>
<p><strong>Vorurteile gegen Roma</strong></p>
<p>Wir gingen in einen Slum, wo vor allem Roma leben. Wir wussten nicht, wie wir den ersten Kontakt herstellen sollten. Gleichzeitig bemerkten wir einen alten Mann, der eine verbotene kurdische Zeitung «Azadîya Welat» las. Ich dachte, er ist die richtige Person für uns. Aber ich wusste nicht, wie ich ihn fragen sollte. Es gab so viele Vorurteile in meinem Kopf, die die offizielle Perspektive mir gegeben oder die ich auf der Strasse gehört hatte: Die Roma sind Schmuggler, Diebe und gefährliche Leute. Die Lösung war: Ich fragte, ob es hier Musiker gebe. Der alte Mann schickte ein Kind zu einem Musiker. Wir warteten vor einem Slum-Kiosk. Diese Zeit schien mir viel länger als normal, wie ein ritueller Moment. Viele Fragen waren in meinem Kopf: Wer sind diese Leute? Was soll ich mit den Delegationsteilnehmern machen? Mit mir waren auch der Mazedonier Hidaver und der Norweger Gunnar, beide Roma und beide Wissenschaftler. Es ist nicht so einfach, dachte ich. Ich wachte aus meinem Gedanken mit einer Frage von Gunnar auf: Wie ist die Beziehung zwischen Roma und Kurden im Slum? Der alte Mann antwortete: Wie kann es eine Beziehung zwischen Leuten zweiter und dritter Klasse geben? Als Kurden sind wir zweite Klasse nach den Türken, und die Roma sind dritte Klasse nach den Kurden. Wir Kurden sind in einer sehr schlimmen Situation wegen des Kriegs und der Vertreibungen, aber die Situation der Roma ist noch schlimmer. Sie haben nicht Rechte<br />
wie normale Bürger_innen. Diese Analyse überraschte mich sehr und gab mir Ideen, wie ich eine Projektarbeit anfangen könnte.</p>
<p><strong>Roma sind Bürger_innen dritter Klasse in der Türkei</strong></p>
<p>Dann kam das Kind mit einem Mann. Er lud uns in sein Haus ein. Wie in einem kollektiven Haus teilen drei Familien das gleiche Zimmer, eine Ecke für das Bad, für die Küche, für die Matratzen. In einem 4-Zimmer-Gebäude wohnen zwölf Familien mit Kindern, total etwa 60 Leute . Hidawer hörte ein paar Wörter zwischen dem Vater und dem Kind. Ich konnte es nicht verstehen. Es ist eine Fremdsprache für mich. Und Hidawer fragte: «Welche Sprache sprecht ihr jetzt?» Der Mann sagte: «Die Sprache heisst Domani und wir sind Dom.»</p>
<p>Ich realisierte, dass ich nicht wusste, wie diese Leute heissen. Mirtib, Karacschi, Asik oder Cingene sind alles diskriminierende Wörter, die ich draussen gelernt hatte. Dann fragte er: «Was heisst ‹Wasser› auf Domani?» Der Mann sagte: « &#8230; » Dann sagte Hidawer «Die Türe» im mazedonischen Roma-Dialekt und der Mann verstand die Sprache. Die Dialekte sind fast gleich in Kurdistan und Mazedonien. Für Hidawer war das eine Überraschung, für mich eine doppelte: Das waren Leute, mit denen ich lebte, und ich hatte keine Ahnung über den Namen für diese Leute und ihre Sprache. Dom ist ein allgemeiner Name für sie, und Domani ist ihre Sprache.</p>
<p><strong>Eine intensive Lehrzeit im Roma-Projekt</strong></p>
<p>Es war so intensiv und eine starke Lehrzeit mit dem Projekt. Ich lernte auch Muhsin und Mehmet Abi in dieser Zeit kennen. Es waren wunderschöne acht Monate mit viel Dom-Musik. Es war eine Traditions- und Lebensuniversität für mich. Am Ende schämte ich mich wegen der Zeit vor dem Projekt. Aber ich versuchte meine Selbstkritik mit praktischer Arbeit im Vereinsgründungsprozess zu geben. Und der Dom-Verein war ein regelmässiger Ort für mich, wenn ich in der Stadt war. Am Ende gab es in der Stadt ein grosses Fest, zum ersten Mal auch mit 30 Dom-Leuten. Sie waren mit ihren Instrumenten ganz vorne im Umzug und führten Tänze und Musik auf, hinter dem Transparent «Dom-Kultur-Verein Diyarbakir». So lernten viele Leute das Wort «Dom» kennen und fragten sich, wer diese Leute sind.</p>
<p><strong>Es ist nicht zu spät, sich zu schämen</strong></p>
<p>Das war eine Erinnerung wie eine tiefe Verletzung. Als ich mich an diese Erlebnisse in Kurdistan erinnerte, schämte ich mich wegen meiner Vorurteile gegen die Dom-Leute. Denn in diesem Moment auf der Polizei in Zürich fühlte ich mich wie die Roma Mehmet Abi und Muhsin, die wegen ihrer Roma-Identität oft diskriminiert wurden. Bevor ich Dom-Leute getrofffen hatte, diskriminierte ich sie auch.</p>
<p>Ich schäme mich Muhsin, Mehmet Abi und den Dom-leuten gegenüber wegen meiner vorherigen Gedanken. Ich kann es ihnen nicht direkt sagen, weil ich nicht in mein Heimatland gehen darf, aber die Projektarbeit macht meinen Schmerz leichter, wie ein Versuch zur Selbstkritik in der Praxis. Es ist nicht zu spät, diese Scham zu fühlen. Morgen kann es aber schon zu spät sein. Heute in der Schweiz gegen die rassistische Politik zu sein, ist nicht zu spät.</p>
<p><em><strong>«Es gab so viele Vorurteile in meinem Kopf, die die offizielle Perspektive mir gegeben oder die ich auf der Strasse gehört hatte.»</strong></em></p>
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